GEW Mecklenburg-Vorpommern
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Unsere dringendste Forderung ist hier der landesweit einheitliche, gesetzliche Mindestpersonalschlüssel, der auskömmlich bemessen ist und das Kindeswohl präventiv schützt. Der Beruf der Erzieher*innen muss durch bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen deutlich attraktiver gemacht werden. Dafür brauchen wir sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene starke politische Bemühungen zur langfristigen Finanzierung. Gute Bildung braucht einen hohen Standard, mindestens auf dem Niveau des DQR 6. Die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin/zum staatlich anerkannten Erzieher muss kostenfrei ermöglicht werden. Wir brauchen ausreichend Ausbildungskapazitäten. Wir fordern das Land auf, eine bundesweit anerkannte, schulische, praxisintegrierte (dual-orientierte) Ausbildung zu staatlich anerkannten Kindheitspädagog*innen für 0- bis 13-jährige an den höheren Berufsfachschulen zu etablieren. Auszubildende der praxisintegrierten Ausbildung dürfen nicht auf den Fachkräfteschlüssel angerechnet werden. Mentor*innen brauchen mehr Zeit und kostenlose Weiterbildungen, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Wir fordern außerdem die Erhöhung der mittelbaren pädagogischen Arbeitszeit für Inklusion (1. Schritt: 5 Stunden pro Fachkraft, 2. Schritt: langfristig 8 Stunden) sowie den Einsatz des Landes für einen flächendeckenden (Mindest-)TariflohnIntegrations-Helfer*innen müssen zu Erzieher*innen und Lehrkräften gleichgestellt werden. Die Anerkennung muss sich in der Bezahlung zeigen.

 

Die Reformaufgabe ist immens. Zuletzt hat uns die Pandemie und ihre Folgen deutlich gemacht, wie zentral Schulen eine Säule gelingenden Lebens sind und wie stark Kinder, gerade aus Familien mit wenig Ressourcen, auf ein leistungsfähiges Schulsystem angewiesen sind. Deshalb braucht es beständig mehr Geld, um sächlich, personell und inhaltlich notwendige Entwicklungen abzusichern. Darüber hinaus muss geklärt werden, wie eine handlungsfähige Schulträgervielfalt und effektive Schulverwaltung aussehen muss, damit Bildung nach landesweit gültigen Standards sichergestellt werden kann.

Wir fordern einen attraktiven „Arbeitsplatz Schule“. Ganz oben steht hier für uns als GEW die Senkung der Arbeitsbelastung. Die Zahl der Pflichtstunden muss reduziert werden. Alle Aufgaben, die nicht in erster Linie zu pädagogischen Kernaufgaben gehören, müssen wegfallen oder durch andere Fachkräfte geleistet werden. Aktuell verhandeln wir das Thema Mehrarbeit. Erstes Ziel muss sein, Mehrarbeit zu reduzieren! Fällt sie unvermeidbar dennoch an, muss Mehrarbeit zuverlässig und vollumfänglich erfasst und honoriert werden. Schulen mit besonderen Herausforderungen bei der Personalgewinnung und –bindung müssen zusätzlich unterstützt und gestärkt werden. Auch die Zahlung von Zulagen, insbesondere auch für Schulleitungen, darf kein Tabu sein. Grundsätzlich braucht es eine Personalplanung und -zuweisung, die sich nicht nur nach der Kontingentstundentafel bemisst, sondern die landesweit pädagogischen Notwendigkeiten für eine inklusive Schul- und Unterrichtsentwicklung und erwartbare Vertretungsbedarfe sicherstellt.

Studium und Referendariat als reguläre Wege in den Schuldienst müssen reformiert werden. Unser Personalentwicklungskonzept (PEK) spricht sich u.a. für mehr Fachdidaktik und Bildungswissenschaften sowie lernintensive Praxisphasen aus. Im Referendariat muss die Belastung sinken und die Unterstützung der (Weiter-)Entwicklung der professionellen Persönlichkeit im Mittelpunkt stehen. Auch der Seiteneinstieg bereits verschiedentlich qualifizierter Menschen ist von zentraler Bedeutung. Eine planbare, gut begleitete und weitreichende Qualifizierung muss das Ziel sein, um schnell und verlässlich den vollen Berufseinstieg und die Anerkennung zu ermöglichen. Dafür brauchen insbesondere Mentor*innen mehr Zeit.

Die „Inklusionsstrategie“ des Landes überzeugt nicht, da sie keine Antwort auf die Frage gibt, wie Schulen so flexibel auf die individuellen Lernvoraussetzungen reagieren können, um für alle jungen Menschen höchstmögliche Bildung und entsprechende Bildungsabschlüsse möglich zu machen. Inklusion braucht Zeit und die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams. Schule neu zu denken – und zu machen, ist eine Aufgabe, die ermöglicht werden muss. Unsere Schulen brauchen u.a. gut ausgebildete Lehrer*innen, unterstützende pädagogische Fachkräfte, Sonderpädagog*innen, Schulsozialarbeiter*innen, Erzieher*innen, medizinisches Personal und unterstützende verwaltende Fachkräfte. Aus- und Fortbildungen müssen auf Teamarbeit ausgerichtet werden, damit alle Fachkräfte in Schulen passend eingesetzt und wirksam werden können. Die Lerngruppen müssen kleiner werden und Ressourcen systemisch und transparent zugewiesen werden.

Lernen gelingt dann gut, wenn durch zukunftsorientierte und kluge Raumgestaltung im Schulhaus und auf dem Schulgelände die pädagogischen Möglichkeiten ansprechend sind und bei Bedarf erweitert werden können. Unter energetischen, inklusiven und pädagogischen Gesichtspunkten muss umfänglich um- und neugebaut werden. Die Schulgemeinschaft ist bei der Gestaltung frühzeitig zu beteiligen, um u.a. Differenzierungs-, Rückzugs- sowie auch Arbeitsräume für Lehrkräfte in den Fokus zu bekommen. Die Größe der Lerngruppe muss folglich von den verbleibenden räumlichen Möglichkeiten in voll eingerichteten Unterrichtsräumen abgeleitet werden.

Nicht nur in einer Pandemie brauchen wir eine hervorragende technische und sächliche Ausstattung. Lernmaterial muss für Schüler*innen ausreichend und mit notwendigen Differenzierungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Die digitale Erschließung jeder Schule muss vorangetrieben werden. Alle Pädagog*innen sowie Schülerinnen und Schüler benötigen Notebooks/Tablets und die dazugehörigen Datentarife sowie eine beständige IT-Betreuung auf Kosten des Landes und der Schulträger. Datenschutzfragen müssen rechtssicher geklärt und durch das Land verantwortet werden. Fortbildungen zum sinnvollen pädagogischen Einsatz digitaler Elemente im Unterricht müssen niedrigschwellig bereitgestellt werden.

Wir fordern, dass das Land die Entwicklung einer demokratischen Schulkultur stärker im Rahmen der Unterrichts- und Schulentwicklung unterstützt und alle Beteiligten angemessen fortbildet. Die Vertretungen der Beschäftigten vor Ort brauchen zudem mehr Zeit für Ihre wichtige Arbeit.

Wissenschaftliches Arbeiten, Forschung und Lehre muss ausreichend und verlässlich finanziert werden. Die räumliche und sächliche Ausstattung muss dem hohen Bildungsanspruch entsprechend sichergestellt werden. Die Mitbestimmung und tarifvertragliche Absicherung für alle muss ausbaut werden. Die Gleichstellung aller Geschlechter in allen Positionen muss vorangetrieben werden.