GEW Mecklenburg-Vorpommern
Du bist hier:

GEW MV fordert Anpassung des Kontaktpersonenmanagements

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern (GEW MV) fordert das Land und die Gesundheitsämter auf der Ebene der Kreise und kreisfreien Städte auf, unverzüglich das Kontaktpersonenmanagement für Kitas und Schulen dahingehend anzupassen, dass sichergestellt ist, dass keine positiv getesteten Kinder und Jugendlichen oder Erwachsene bzw. deren enge Kontaktpersonen die Einrichtungen betreten: „Wir haben heute Rückmeldungen dazu erhalten, dass bspw. das Gesundheitsamt Rostock Genesenennachweise bereits vor der Freitestung am 5. Tag verschickt hat. So etwas darf nicht passieren!“, erklärt die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner.

10.12.2021

Die Infektionslage in Kitas und Schulen wird scheinbar immer unübersichtlicher. Nach Angaben des Landes liegen die Fallzahlen bei den jüngeren Kindern zwischen 5 und 14 Jahren bereits im Bereich der 1.200er- Inzidenz: „Entsprechend der Nachrichten, die wir aus unserer Mitgliedschaft erhalten, müssen wir leider davon ausgehen, dass die Gesundheitsämter zurzeit nicht mehr mit den Meldungen hinterherkommen, die tatsächlichen Zahlen also noch höher sind“, ergänzt der GEW-Landesvorsitzende Maik Walm.  Das vielerorts angewendete aktuelle Kontaktpersonenmanagement, bei dem auf Eigenverantwortung gesetzt wird und nicht einmal mehr Schul- oder Kitaleitungen über aufgetretene Fälle informiert werden, führt zu großen Verunsicherungen bei den Beschäftigten, aber auch den Eltern und Kindern. „Die Aussagen seitens des Landesamtes für Gesundheit, dass einzelne infizierte Schüler*innen oder Beschäftigte in 70 Prozent der Indexfälle keine weitere Ansteckung auslösen, treffen nicht auf das praktische Erleben an den Kitas und Schulen“, führt Annett Lindner aus. Viele Gesundheitsämter setzen zurzeit auf tägliche Testungen bei auftretenden PCR-positiv-Fällen in den Schulen. Und das, obwohl das LAGuS selbst bei Warnstufe rot eine Quarantäne für die jeweilige Kohorte empfiehlt.

Gerade die Schulleitungen fühlen sich von den Gesundheitsämtern im Stich gelassen. Während von Seiten der Eltern ein Handeln erwartet wird, sind sie oftmals selbst noch nicht informiert. Kommt es zur Anordnung täglicher Tests sollen die entsprechenden Klassen separiert werden. Hierfür fehlen in den meisten Fällen das Personal und die Räumlichkeiten. Darüber hinaus gibt es keine separaten Schulbusse. „Was wir brauchen sind klare Handlungsempfehlungen, basierend auf einer guten Datengrundlage“, sagt Annett Lindner. Vor allem mit Blick auf die kommenden Ansteckungen mit der Omikron-Variante, die um ein Vielfaches infektiöser sein soll, muss das Land sich schon jetzt für ein noch stärkeres Infektionsgeschehen wappnen, bei dem dann auch für Geimpfte und Genesene eine Quarantäne angeordnet werden wird. „Aus unserer Sicht muss das Land den Umgang mit Kitas und Schulen spätestens vor diesem Hintergrund zeitnah überdenken“, erklären Annett Lindner und Maik Walm. Sie verweisen auf die seit gestern vorliegende Empfehlung der Ständigen Impfkommission für Kinder unter 12 Jahren. „Mit ihr ist der Weg frei für Impfangebote auch für diese Altersgruppe. Wir sprechen uns dafür aus, niederschwellige und gut erreichbare Angebote vor allem in die ländlichen Räume zu bringen, für alle, die sich für eine Impfung entscheiden wollen.“

Und noch etwas treibt die Gewerkschafter in diesem Zusammenhang um. Zuletzt warnte das Innenministerium vor einer zunehmenden Radikalisierung der so genannten Querdenkerszene. Zu Wochenbeginn hatten Mitglieder dieser Bewegung zu einer Demonstration vor einer Schule in Rostock aufgerufen, um gegen die Impfung von Kindern zu demonstrieren: „Wir erwarten, dass das Land die Schulen vor solchen Auswüchsen schützt!“, erklären die beiden Vorsitzenden. „Das Verbreiten von Falschmeldungen über Impfungen und das Einschüchtern von Kindern und Eltern muss strikt und nachhaltig unterbunden werden. Angesichts des Mordes von Idar-Oberstein oder des jüngsten Gewaltaktes, bei dem eine ganze Familie ums Leben kam, darf es keine Genehmigungen für solche Meinungsäußerungen vor den Bildungseinrichtungen des Landes geben.“