GEW Mecklenburg-Vorpommern
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Wer billig kauft, kauft zweimal? Bertelsman-Studie als Weckruf für mehr Bildungsinvestitionen verstehen

Heute veröffentlicht die Bertelsmann Stiftung das Ländermonitoring „Frühkindliche Bildungssysteme“. M-V gehört darin erneut zu den Schlusslichtern in der Betreuungsqualität in Kindertageseinrichtungen. „Wir wissen uns einmal mehr bestätigt. Eine beitragsfreie Kita ist nicht automatisch eine gute Kita“, sagt die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner in Anspielung auf das so genannte „Gute-Kita-Gesetz“.

26.09.2019

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern (GEW M-V) hatte den vollständigen Einsatz der Mittel vom Bund für die Elternentlastung im Vorfeld der KiföG-Neufassung mehrfach heftig kritisiert und mehr Geld für die Verbesserung der Betreuungsqualität gefordert. Die Betreuungsstandards in Krippen, Kitas und Horten entsprechen nicht den Vorgaben der
UN-Kinderrechtskonvention, die in der Prävention den größten Beitrag zum Schutz der Kinder sieht.

„Besonders dramatisch ist aus unserer Sicht die Feststellung, dass in unserem Land die Bildungschancen vom Wohnort abhängen“. Hier fragt die Bertelsmann-Studie noch nach den genauen Ursachen. Der GEW M-V und auch allen weiteren Beteiligten sind sie längst bekannt. „Die Ursache ist, dass es anders als bei den Schulen, keinen landesweit geregelten, einheitlichen Mindestpersonalschlüssel gibt, der Standards für die Personalausstattung regelt. So richtet sie sich nach der finanziellen Leistungsfähigkeit eines Landkreises oder kreisfreien Stadt, die alle jeweils ihre eigenen Schlüssel definieren. Wir fordern deshalb die Einführung eines solchen Mindestpersonalschlüssels, der auch mit der Übernahme von mehr Verantwortung durch das Land einher geht.“ Aus Sicht der GEW M-V muss dieser so berechnet sein, dass auch genügend Spielraum für die Abdeckung von Weiterbildungen, Urlaub und andere Personalausfälle darin enthalten ist.

Bisher sieht das Land hier keinen Handlungsbedarf. Die Gewerkschaftschefin hingegen wird deutlich: „Der Grundsatz: „Wer billig kauft, kauft zweimal“, mag zwar bei Autos oder Möbeln funktionieren, nicht jedoch für die Zukunft unserer Kinder. Eine personell gut ausgestattete Kita verbessert die Bildungsqualität und kann dafür sorgen, dass auftauchende Probleme nicht in spätere Lebensjahre verlagert werden.“ Zwar sei es so, bestätigt Annett Lindner, dass die Elternentlastung es den Gewerkschaften ermögliche, den TVÖD endlich auch bei den freien Trägern durchzusetzen; dennoch müssten bessere Bezahlung und bessere Qualität miteinander einhergehen. „Nur so entstehen wirklich attraktive Arbeitsplätze, die wir brauchen, um den künftigen Fachkräftebedarf zu decken und genügend Berufsnachwuchs anzuwerben“.

Die GEW M-V fordert die Landesregierung und die Abgeordneten des Landtages auf, diese Studie als letzten Weckruf zu verstehen und deutlich mehr Geld in Bildung zu investieren.
Die Gewerkschaft wird deswegen in den nächsten Wochen die Kitas im Land dazu aufrufen, ihre alljährlichen Laternenumzüge mit einem Appell für mehr Qualität zu verbinden und hofft auf eine große Beteiligung.


Information:

Was ist die Fachkraft-Kind-Relation?

1. Fachkraft-Kind-Verhältnisse sind Kinderzahlen pro Fachkraft für die unmittelbare pädagogische Arbeit mit den Kindern. Die Fachkraft-Kind-Verhältnisse stehen in § 11a Abs. 1 KiföG M-V:

(1) Der örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe stellt für die unmittelbare pädagogische Arbeit unter Berücksichtigung sozialer und sozialräumlicher Gegebenheiten sicher, dass eine Fachkraft durchschnittlich
- sechs Kinder bis zum vollendeten dritten Lebensjahr,
- 15 Kinder ab vollendetem dritten Lebensjahr bis zum Eintritt in die Schule oder
- 22 Kinder im Grundschulalter fördert.

Was ist der Personalschlüssel?

Personalschlüssel sind Stellenanteile einer einzelnen Fachkraft (in Vollzeitäquivalente-VZÄ). Mit den Personalschlüsseln wird die Zahl des Personals berechnet. Die Personalschlüssel stehen nicht im KiföG MV oder einer Landesverordnung. Selbst in Betriebserlaubnisbescheiden stehen keine Mindestzahlen des einzusetzenden Personals. Die Personalschlüssel stehen in den KiföG-Satzungen der Landkreise und kreisfreien Städte. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim regelt sie nicht einmal per Satzung, sondern nur mittels Grundsatzrichtlinie, die rechtlich nicht überprüfbar ist. Die Personalschlüssel basieren auf einer Empfehlung des Landesjugendamtes aus dem Jahre 1996 und wurden seither nicht oder nicht wesentlich angehoben. Die Berechnung dieser Personalschlüssel erfolgt nicht transparent und ist kaum nachvollziehbar.
 

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