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Schulgesetznovelle: Künftig nicht mehr Lesen, Schreiben und Rechnen in der Grundschule?

Im Rahmen der Umsetzung der Inklusionsstrategie des Landes, plant das Bildungsministerium eine umfangreiche Schulgesetznovelle. „Genau genommen handelt es sich hierbei um eines der größten bildungspolitischen Vorhaben der vergangenen und kommenden Jahre“, stellt Annett Lindner, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern (GEW M-V), fest. Die Bildungsgewerkschaft war aufgefordert zu dem nun vorliegenden Gesetzentwurf Stellung zu nehmen. Ziel des Entwurfs soll die Festschreibung eines inklusiven Bildungssystems im Schulgesetz sein. 

25.09.2018

Das Urteil der GEW M-V fällt hart aus: „Diese Novellierung ist in der vorliegenden Fassung nicht mehr als die schulrechtliche Absicherung eines zu kurz gefassten Inklusionsverständnisses ohne reale Umsetzungsstrategie.  Kinder haben das Recht auf Bildung – noch dazu in einer sich völlig verändernden Welt -  und das Land macht ein Gesetz, um mit dem Lehrkräftemangel der kommenden Jahre umzugehen “, erläutert die Landesvorsitzende.

 

Die GEW M-V betont, dass das Inklusionsverständnis des Landes zu kurz gedacht ist: „Mit diesem Gesetz verlieren alle Kinder. Gute Inklusion bedeutet eine gute Schule für jedes Kind. Nicht nur für solche mit Förderbedarfen“.

Annett Lindner, selbst Lehrerin für Kinder mit speziellen Förderbedarfen, betont: „Jedes Kind braucht in seiner Schullaufbahn einmal besondere Unterstützung. Sowohl Begabungsstunden als auch Förderunterricht brauchen Zeit und Betreuung. Von mehr Geld im System, von multiprofessionellen Teams, von Förder- und Teilungsunterricht sowie besserer Ausstattung profitieren alle Schülerinnen und Schüler; aber auch wir Lehrkräfte“, so Annett Lindner weiter und sie ergänzt: “Angesichts der bisher verkorksten Umsetzung der Inklusion, was überwiegend zu Lasten der Lehrkräfte ging, kann ich verstehen, dass manche Kolleginnen und Kollegen sich das alte System der Förderschulen zurück wünschen. Wer das will, übersieht jedoch, dass das eigentliche Problem woanders liegt: im fehlenden Willen, Bildung ausreichend zu finanzieren“.

 

Entwicklungen gefragt – nicht Rückschritte

„Die Entwicklung einer inklusiven Schule wird nicht zur Modernisierung des Bildungssystems genutzt“, kritisiert Annett Lindner die Novelle weiter. So ist für die Grundschulen künftig nicht mehr die Rede davon, Kulturtechniken, wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu vermitteln, vielmehr findet sich im Text der Novelle nur noch die Beschreibung der Vermittlung „allgemeiner Grundkenntnisse und Grundfertigkeiten“. „Der Schluss liegt nahe, dass das Land auf den Lehrkräftemangel reagiert und den Bildungsanspruch der Schülerinnen und Schüler damit auf das Nötigste reduziert. Anders lässt sich das nicht erklären“. 

Ähnlich vorzubauen scheint das Bildungsministerium mit Blick auf die Seiteneinsteiger*innen. Diese Kolleg*innen mit befristeten Verträgen sollen künftig in der Lehrerkonferenz kein Stimmrecht mehr haben dürfen.  „Das ist ein Affront gegenüber diesen Kolleginnen und Kollegen“, bei der GEW M-V ist man sauer. 
 

Von der Neigung zur Eignung?


Gravierend ist aus Sicht der GEW M-V auch, dass der bisherige Begriff der „Neigung“ im vorliegenden Entwurf durch den Begriff „Eignung“ ersetzt werden soll. „Die Begründung des Bildungsministeriums dafür ist haarsträubend“. Die Gewerkschafterin ist entsetzt. „Neigungen bringen die Kinder mit, sie sind entwicklungsfähig, verändern sich. Sie sind die Grundlage eines positiven und freiwilligen Lernens. Eignungen hingegen folgen Bewertungsmaßstäben, die von außen festgelegt werden. Hier geht es um das Lenken und Leiten von Ressourcen. Wollen wir das für unsere Kinder?“

Die erste Lesung des Gesetzentwurfs ist für den November angesetzt. Bis März 2019 ist die Befassung in den Ausschüssen vorgesehen.

 

 

 

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