GEW Mecklenburg-Vorpommern
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GEW M-V: Regelbetrieb ist gute Botschaft, auch wenn zunächst Unsicherheiten bleiben

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern (GEW M-V) begrüßt, dass das neue Schuljahr aufgrund der niedrigen Infektionszahlen weitgehend im Regelbetrieb starten kann: "Das ist für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für die Lehrkräfte eine gute Botschaft!", erklären die beiden GEW-Landesvorsitzenden Annett Lindner und Maik Walm. "Mit dem neuen Hygieneplan für die Schulen legt das Land den Schwerpunkt auf die Dokumentation und die Nachvollziehbarkeit von Kontakten.

23.07.2020

Das erscheint uns unter den jetzigen Gegebenheiten sinnvoll", führt Maik Walm weiter aus. Gleichzeitig sieht der neue Plan auch vor, dass parallel sowohl Präsenzunterricht also auch Distance Learning ermöglicht werden muss: "Hier sehen wir, dass sich dadurch die Doppelbelastung für die Lehrkräfte weiter fortsetzt. Eine Antwort darauf, wie dieser Konflikt aufgelöst werden kann, bleibt das Land weiterhin schuldig." In mehreren Umfragen zum Schuljahresende hatten Lehrkräfte darauf verwiesen, dass sich durch den Wechsel von Präsenzunterricht und Distance Learning die Arbeitsbelastung spürbar erhöht hatte. 
 

Die GEW sieht in der neuen Regelung noch weitere Unwägbarkeiten: "Nach wie vor hakt es an der Schnittstelle zwischen den Schulen und der Hortbetreuung. Die festen Gruppen aus den Schulen können in den Horten überwiegend nicht aufrecht erhalten werden. Ebenso verhält es sich mit der Schülerbeförderung. Hier wird es nach Aussagen der Landkreise und Kommunen keine zusätzlichen Verkehrsmittel geben, um volle Busse zu vermeiden. Damit vermehren sich mögliche undokumentierte Risikokontakte für die Schülerinnen und Schüler deutlich." Gerade den letzten Punkt nimmt die GEW M-V zum Anlass darauf hinzuweisen, dass die Gesundheit der Schüler*innen und Lehrkräfte nicht unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten verhandelt werden darf: "Sowohl die Landkreise und Kommunen, als auch das Gesundheitsministerium sind aufgefordert im Sinne des Gesundheitsschutzes auch dann Maßnahmen umzusetzen, wenn sie zusätzliche Kosten verursachen. Diesen Willen vermissen wir an der ein oder anderen Stelle", erklärt der Gewerkschafter weiter. 


Sollte es zu lokalen Ausbrüchen kommen, obliegt es den jeweiligen Gesundheitsämtern, Maßnahmen zu planen und durchzusetzen. "Das ist ein Punkt, der viele Lehrkräfte verunsichert. Viele wüssten gerne, was im möglichen "Ernstfall" passieren wird", sagt Maik Walm und ergänzt: "Spätestens wenn im Herbst die Erkältungswelle einsetzt, wird diese Verunsicherung steigen. Es geht dann u.a. um die Frage, ob man mit normalen Erkältungssymptomen selbst noch in die Schule kommen kann, was "normale" Symptome sind und ob man die Kinder nach Hause schicken muss. Das RKI-Handlungsschema ersetzt keine entsprechenden verbindlichen Regelungen, die auch bisher fehlen." 


Zur Zahl der Lehrkräfte, die aufgrund eines erhöhten Risikos für einen schweren Verlauf von  Covid-19 nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden können, gibt der Gewerkschafter hingegen Entwarnung: “Diese Zahl beläuft sich unserer Einschätzung nach auf einen niedrigen einstelligen Prozentbereich.” Die Beurteilungen durch die betriebsärztliche Gutachten laufen aktuell noch. Anders als in einer Tageszeitung berichtet, müssen sich Lehrkräfte jedoch nicht durch einen Betriebsarzt oder eine Betriebsärztin krankschreiben lassen. "Das ist blanker Unsinn. Da wird suggeriert, dass sich Lehrkräfte in Scharen zu Unrecht aus dem Unterricht hätten befreien lassen. Das Land hat entsprechend der Vorgaben des RKI Lehrkräfte, die zur Risikogruppe gehören, zunächst pauschal vom Präsenzunterricht befreit. Diese Kolleginnen und Kollegen haben trotzdem gearbeitet - nur eben digital. Von dieser pauschalen Befreiung wechselt das Land nun auf eine individuelle Risikoprognose. Wir begrüßen das ausdrücklich!", sagt Maik Walm.