GEW Mecklenburg-Vorpommern
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500 Lehrkräfte fehlen – GEW fordert Investitionen in die Bildung

29.01.2018 - Michaela Skott

Ein „Weiter so!“ darf es nicht geben. In 2018 legt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern (GEW MV) einen Arbeitsschwerpunkt auf das Thema Arbeitszeit sowie außerdem auf die Anhebung der Vergütung für Grundschullehrkräfte.

Die Belastungssituation ist insbesondere für Lehrkräfte hoch. Die hohe Unterrichtsverpflichtung in Verbindung mit einem ständig steigenden Aufgabenumfang und dem strukturellen Lehrkräftemangel führen in der Praxis regelmäßig zu Überstunden.  „In unserem System fehlen schon heute rund 500 Lehrkräfte“, stellt die Landesvorsitzende Annett Lindner fest. „Das müssen die vorhandenen Lehrkräfte ausgleichen. Dabei sollen sie guten Unterricht machen und ständig neue Aufgaben übernehmen ohne dafür einen Zeitausgleich zu erhalten.  Ein „Weiter so!“ darf es an dieser Stelle nicht geben!“, betont die Gewerkschafterin und weist darauf hin: „Andere Bundesländer bieten bessere Bedingungen. Mehr Geld für Grundschullehrkräfte oder bessere Anrechnungsmöglichkeiten von zusätzlichen Aufgaben. Wenn wir hier im Land nicht schnell nachbessern, wird es uns nicht gelingen in Zukunft alle Stellen zu besetzen“.

Der Blick auf den Fachkräftemangel allein reicht der Gewerkschaft jedoch nicht aus. Sie will den Kolleginnen und Kollegen, die sich teils schon vor vielen Jahren für ihren Beruf entschieden haben, die bestmöglichen Arbeitsbedingungen schaffen. Annett Lindner erklärt: „Das hat auch was mit Gerechtigkeit und Solidarität zu tun, für die wir als Gewerkschaft stehen. Unsere Kolleginnen und Kollegen fühlen sich bei Diskussionen um Dinge wie die „Busch-Zulage“ oft in ihrer Arbeit nicht gesehen. Doch sie sind es, die auch in den ländlichen Regionen oder bei Ausfall in Mangelfächern den Unterricht so gut sie können absichern. Oft auch über ihre eigene Kraft hinaus. Denn strukturell bedingte Lücken werden immer wieder mit dem Idealismus der Lehrerinnen und Lehrer gefüllt“.

Zur Verbesserung der Arbeits- und Lernbedingungen an den Schulen im Land bräuchte es nach Berechnungen der GEW einen dreistelligen Millionenbetrag. „Wir brauchen in etwa 320 Millionen Euro, und da spreche ich nicht von Baukosten, sondern von Inhalten“, betont die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft und zählt auf: „Hier geht es um Schulsozialarbeiter*innen und Schulpsycholog*innen, den Ausbau der Ganztagsschule, die Absenkung der Unterrichtsverpflichtung, kleinere Klassen, Sachmittel und einen Personalpuffer für krankheitsbedingte Ausfälle. Die zusätzlichen Ausgaben für die Inklusion sind darin noch gar nicht eingerechnet“.  Innerhalb dieser und anderer notwendiger Maßnahmen will die GEW MV in diesem Jahr ausloten, welche Verbesserungen zu erreichen sind und womöglich auch mit Aktionen erkämpft werden müssen.
 
Bessere Arbeitsbedingungen brauchen auch die Kitas im Land. Die GEW MV stellt fest: „Es gibt noch immer zahlreiche Träger, die nicht nach Tarif zahlen. Die rund 1.100 Kitas im Land haben 370 Träger. Wer nicht gut zahlt, wird künftig Probleme haben, die Stellen zu besetzen“. 

Während in den vergangenen Tagen viel über die Elternentlastung gesprochen wurde, sorgt sich die GEW MV um die Betreuungsqualität: „Unser Land ist seit Jahren Schlusslicht in der Betreuungsqualität. Zu viele Kinder werden durch eine Fachkraft betreut. Wir haben die Sorge, dass dieser Zustand durch die Elternentlastung zementiert wird. Die kostenfreie Kita, die wir im Sinne der Eltern auch fordern, darf nicht zu Lasten der Qualität gehen. Auch hier kommen Mehrkosten auf das Land zu“.

Die GEW ist bundesweit mit 280.000 Mitgliedern die stärkste Interessenvertretung im Bildungsbereich. Sei vertritt Angestellte wie Beamtinnen und Beamte gleichermaßen.

 

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