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Tag der Kinderbetreuung am 9. Mai:

Bitte nicht klatschen! Erzieher*innen brauchen täglich gesunde Arbeitsbedingungen und wertschätzendes Gehalt

Morgen ist der Tag der Kinderbetreuung. Seit zehn Jahren findet dieser immer am Montag nach dem Muttertag statt und soll dazu dienen, den pädagogischen Fachkräften Dank auszusprechen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern (GEW MV) hat jedoch einen anderen Blick auf diesen Tag: „Unsere Kolleg*innen in den Kitas brauchen kein jährlich ausgesprochenes Dankeschön, sie brauchen täglich gesunde Arbeitsbedingungen und ein wertschätzendes Gehalt“, stellt die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner klar. 

Aktuell laufen die Tarifverhandlungen für die Sozial- und Erziehungsberufe (SuE). Die von der GEW auf Bundesebene ins Leben gerufene Kampagne #wirsinddieProfis macht darauf aufmerksam , dass Menschen die in Sozial- und Erziehungsberufen tätig sind, täglich Außerordentliches leisten. „Frühkindliche Bildung und Erziehung gibt es nicht zum Nulltarif! Erzieher*innen arbeiten in der Krippe, in Kitas, in Ganztagsschulen und Horten, in Heimen. Sie sind Profis. Das muss sich auch in den Arbeitsbedingungen sowie in der Bezahlung widerspiegeln. In der laufenden Tarifrunde wollen wir u.a. eine verbesserte Eingruppierung für Erzieher*innen, eine Anpassung der Stufenlaufzeiten, eine Aufwertung der Leitungstätigkeiten und Zeiten für die mittelbare pädagogische Arbeit erreichen“, macht Doreen Siebernik, Mitglied im geschäftsführenden Bundesvorstand  und verantwortlich für Jugendhilfe und Sozialarbeit deutlich. Sie  begleitet die bundesweite Tarifauseinandersetzung.   

Neben der Bezahlung und Eingruppierung gibt es besonders in MV weitere „Baustellen“, die dringend benannt und bearbeitet werden müssen: „Seit Jahren halten wir die rote Laterne in Bezug auf die Fachkraft-Kind-Relation im bundesweiten Vergleich“. In allen Einrichtungsarten kommen noch immer viel zu viele Kinder auf eine Fachkraft. Nachdem das Land die Elternbeiträge ausgesetzt hat, ist nun kaum noch finanzieller Spielraum vorhanden, um dieses Problem nachhaltig zu lösen. Im Sinne des Kindeswohls sowie einer individuellen Förderung, aber auch der Arbeitsgesundheit der Erzieher*innen fordert die GEW MV seit Jahren einen Betreuungsschlüssel von 1:3 in der Krippe, 1:8 in der Kita und 1:12 im Hort. Davon sind wir im Land jedoch noch meilenweit entfernt“, erklärt Annett Lindner.

Ein erster Schritt zur deutlichen Verbesserung der Betreuungs- und Arbeitsbedingungen wäre die Einführung eines landesweit einheitlichen Mindestpersonalschlüssels, wie es mittlerweile auch im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist: „Dieser muss aus unserer Sicht gesetzlich einheitlich regeln, was heute noch jeder Landkreis je nach Finanzlage für sich selbst ermittelt, nämlich die finanzielle Ausstattung der Einrichtungen der Kindertagesförderung. Denn noch ist es so, dass längst nicht jedes Kind im Land die gleichen Startvoraussetzungen in der Bildung erhält. Natürlich darf sich dieser Schlüssel nicht am unteren Ende der heutigen Vergütungsmuster orientieren. Mit dem Krieg in der Ukraine und den Auswirkungen auch für Mecklenburg-Vorpommern scheint dieses Vorhaben allerdings erneut in weite Ferne zu rücken.“

In Vorbereitung auf den Tag der Kinderbetreuung haben die zuständigen Fachreferent*innen der GEW MV in den vergangenen zwei Wochen rund 75 kommunale Kindertageseinrichtungen und Horte besucht, um über die Tarifverhandlungen, aber auch über Themen wie Corona und Vorbereitungen auf den nächsten Herbst, ukrainische Kinder in den Einrichtungen, Mindestpersonalschlüssel, Verbesserungen in der Erzieher*innenausbildung, Umsetzung von Inklusion, Ganztagsschule mit den Leitungen und den pädagogischen Fachkräften ins Gespräch zu kommen. Immer mit dabei war eine Postkarte, die sie den Erzieher*innen überreicht haben. Auf dieser Karte können die Kolleg*innen ihre Wünsche zum Tag der Kinderbetreuung an das zuständige Ministerium richten. „Wir wünschen uns, dass viele Kolleg*innen, diese Gelegenheit nutzen und die Karten direkt oder über uns an die Ministerin für Kindertagesförderung senden“, sagt Annett Lindner. Erste Karten sind bei der GEW MV bereits eingetroffen und werden gesammelt weitergeleitet.

 

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