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Über Leben in Demmin - Kinotipp!

Im Frühjahr 1945 wird Demmin, eine kleine Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, zum Ort einer schrecklichen Tragödie: Während die Rote Armee heranrückt, nehmen sich hunderte Einwohner das Leben.

16.05.2018

Sie schneiden sich die Pulsadern auf, vergiften oder erschießen sich; Eltern töten erst ihre Kinder und dann sich selbst, ganze Familien gehen mit Steinen beschwert ins Wasser. Bis zum Ende der DDR wird über die konkreten Umstände des beispiellosen Massensuizids geschwiegen, die genauen Opf erzahlen der kollektiven Hysterie sind bis heute nicht bekannt. Heute versuchen Neonazis die Leerstelle zu besetzen und für ihre Zwecke zu missbrauchen. An jedem 8. Mai, dem Tag des Endes des Zweiten Weltkriegs, vollzieht sich in Demmin ein gespenstisches Ritual: Neonazis marschieren schweigend durch die Straßen der Gemeinde, in der mehrere Hundertschaften der Polizei Stellung bezogen haben und versuchen, Gegendemonstranten von der Route fernzuhalten. An diesem angespannten Tag verdichten sich hier die Risse innerhalb der deutschen Gesellschaft aufs Äußerste. Mit ihrem »Trauermarsch« instrumentalisieren die Rechtsradikalen die Erinnerung an die furchtbare Tragödie.

Wir empfehlen Euch, diesen Film selbst zu sehen bzw. im Unterricht zu nutzen! Eine Übersicht zu den Kinoterminen findet ihr hier

In seinem Film ÜBER LEBEN IN DEMMIN geht Regisseur Martin Farkas den verborgenen Folgen der Ereignisse nach. Überlebende sprechen zum ersten Mal über die schrecklichen, lange verdrängten Erfahrungen ihrer Kindheit und Jugend. Farkas erkundet, welche Spuren die Traumatisierung und das Schweigen darüber bei den Nachgeborenen hinterlassen haben - und wie tief sie in unsere Gegenwart hineinwirken. Die Stadt wie er sie in diesem genau beobachteten, komplexen und aufrichtigen Film schildert, erscheint tief gespalten. Neben dem Wunsch nach Versöhnung und dem Willen zu einer ehrlichen Aufarbeitung stehen Hass und Feindseligkeit. So eröffnet der Film an diesem exemplarischen Ort einen neuen Blick auf den heutigen, weiterhin schwierigen Umgang der Deutschen mit ihrer Geschichte.

  

Über Leben in Demmin

ein Film von Martin Farkas
DE 2017, 90 Minuten, deutsche OF

Buch und Regie  Martin Farkas
Bildgestaltung  Roman Schauerte
Komposition   Mathis Nitschke
Montage   Jörg Hauschild, Catrin Vogt
Zweite Kamera  Martin Langner, Martin Farkas
Ton   Moritz Springer, Urs Krüger
Produktionskoordination  Lisa Elstermann
Herstellungsleitung   Heike Günther
Redaktion rbb  Jens Stubenrauch
Redaktion NDR  Barbara Denz
Redaktion BR   Petra Felber, Fatima Abdollahyan
Produzentin  Annekatrin Hendel

eine Produktion der IT WORKS! Medien GmbH
in Koproduktion mit RBB, NDR und BR 
gefördert vom Medienboard Berlin Brandenburg, der BKM, Nordmedia, Kulturelle Filmförderung 
Mecklenburg-Vorpommern und dem Nipkow-Programm

im Verleih der Edition Salzgeber

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