GEW Mecklenburg-Vorpommern
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Schuljahr startet mit Hindernissen

639 Neueinstellungen von Lehrkräften. Knapp 30 Prozent Seiteneinsteiger*innen. Bildungsministerium räumt Versäumnisse in der Vergangenheit ein. GEW fordert Verbesserungen für Lehrkräfte und die Vereinbarung eines Personalentwicklungskonzeptes.

21.08.2018 - Michaela Skott

Es kam leise. Es kam spät. Aber es kam: Zum Ende der heutigen Landespressekonferenz sagt Bildungsministerin Birgit Hesse: „Das sind auch die Probleme, die aus dem Lehrerpersonalkonzept entstanden sind“. Gemeint ist der Mangel an Lehrkräften, der nicht nur, aber auch Mecklenburg-Vorpommern stark beschäftigt. Lehrerinnen und Lehrer, die man damals nicht brauchen konnte, fehlen nun. Und die, die blieben, gehen schneller in den Altersruhestand, trotz der Abschläge. Kein Wunder. Jahrelang hatten sie die Sparpolitik des Landes geschultert.

Das Dilemma heute: Die fehlenden Lehrkräfte werden durch Seiteneinsteiger ersetzt. In diesem Jahr sind das immerhin 30 Prozent der neu eingestellten Lehrerinnen und Lehrer. Ein Wert, der, so schätzt es die Ministerin selbst ein, „hart an der Grenze“ des Verträglichen liegt. Dennoch sei sie insgesamt zufrieden, dass es gelungen ist mehr Einstellungen als in den Vorjahren vorzunehmen. Wobei diese Zahlen sich aus en Schülerzahlen ergeben und nicht über den vom Land sehr knapp geplanten Bedarf hinausgehen. Anders als das Bildungsministerium schätzt Annett Lindner für die GEW deshalb ein: Der Schuljahresstart war alles andere als geräuschlos.

Noch bis zum ersten Schultag gab es Unsicherheiten zu Personaleinstellungen genauso wie zur Stundenverteilung“. Von einem „ruhigen Schulstart“ durch frühe Stundenzuweisungen, wie es das Land in den vergangenen Jahren immer wieder meldete, dürfe deshalb diesmal auf gar keinen Fall die Rede sein. „Wenn laut Meldung des Bildungsministeriums noch in der vergangenen Woche für 30 Stellen Arbeitsverträge unterschrieben wurden, dann zeigt das mehr die Not als die Flexibilität des Landes in der Anwerbung von Fachkräften. Nach unseren Recherchen sind in einem Schulamtsbereich noch in der gleichen Woche 30 Stellen nicht besetzt gewesen. In einem anderen Schulamtsbereich mussten während der Ferien über 50 Stellen nachausgeschrieben werden“. Nach Berechnungen der GEW M-V liegt der tatsächliche Einstellungsbedarf schon allein durch die gestiegenen Schülerzahlen höher. Darüber hinaus ist die Personaldecke äußerst dünn geplant. Mit knapp 100 Prozent reicht die Unterrichtsversorgung nur eben für das Nötigste: „Weiterbildungen, Krankheit oder Familienzeiten können dann den Stundenplan schon schnell einmal durcheinander bringen“, erklärt die Landesvorsitzende.

Die Lage ist bundesweit angespannt. Lehrkräfte sind Mangelware. Dass nunmehr 30 Prozent der neu eingestellten Lehrkräfte Seiteneinsteiger*innen sind, verwundert bei der GEW indes niemanden. „Das Problem ist über die Jahre hausgemacht. Und die Jahre mit den höchsten Einstellungsbedarfen kommen erst noch. Wir fordern eine einheitliche fachliche und didaktische Qualifizierung dieser Kolleginnen und Kollegen. Außerdem benötigen die Schulen zusätzliche Ressourcen, um Seiteneinsteiger*innen mit ausgebildeten Lehrkräften zu begleiten“. Die dreiwöchige Weiterbildung, mit der die Seiteneinsteiger*innen in dieses Schuljahr starten, ist aus Sicht der Bildungsgewerkschaft sowohl vom Termin als auch inhaltlich noch nicht „der Weisheit letzter Schluss“. „Das summiert sich bei nur einer Seiteneinsteiger*in an einer Schule schnell auf über 80 Vertretungsstunden zum Schuljahresbeginn“, nennt Annett Lindner ein Beispiel aus der Praxis und fordert einen früheren Einstellungsbeginn und außerdem: „Mit Blick auf die hohen Einstellungsbedarfe in den kommenden Jahren bis 2025 fordern wir die Landesregierung auf, endlich ein Personalentwicklungskonzept mit uns zu vereinbaren“. 

Vor allem, so macht die Gewerkschafterin deutlich, braucht es jetzt größere Anstrengungen als bisher den Beruf attraktiv zu gestalten. Insbesondere für den Grundschulbereich führe nun an der Erhöhung des Entgelts auf die A13 bzw. E13 kein Weg mehr vorbei. Das, bestätigt heute Ministerin Hesse, sehe sie mit Blick auf den Wettbewerb zwischen den Bundesländern, auch so. 
Dass die Lehrerinnen und Lehrer und auch die Schulleitungen dennoch überwiegend hoch motiviert in das Schuljahr gestartet sind, zeige: „Die Pädagoginnen und Pädagogen sind Kummer gewohnt und wollen dennoch aus der Situation für die Schülerinnen und Schüler aber auch für sich das Beste machen“.

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