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Lehr-Lernkonzept – Zur Berufsorientierung von jungen Menschen mit Fluchthintergrund des Instituts für Berufspädagogik mit der Richard-Siegmann-Medaille geehrt

Am 19.11.2019 wurde in der Rostocker Kunsthalle dem universitären Lehr-Lern-Konzept „Lernen durch Engagement – Zur Berufsorientierung und (beruflichen) Integration von jungen Menschen mit Fluchthintergrund“ des Instituts für Berufspädagogik in der Philosophischen Fakultät die Richard-Siegmann-Medaille 2019 verliehen. Das Projekt ist eine Kooperation mit dem Jugendmigrationsdienst (JMD) der Arbeiterwohlfahrt Rostock (AWO) und wurde für seine Verdienste um die Entwicklung der Rostocker Bürgergesellschaft ausgezeichnet. Die Richard-Siegmann-Stiftung versteht sich als Verstärker für Rostocks bürgerschaftliches Potenzial und verleiht einmal im Jahr die mit 3.000 € dotierte Siegmann-Medaille. Sie würdigt damit diejenigen Personen und Projekte, die sich mit innovativen Wegen um das Gemeinwesen Rostocks verdient machen.

29.11.2019 - Dr. Philipp Heinrich Struck/ Institut für Berufspädagogik (IBP)/Universität Rostock

„Lernen durch Engagement“ verfolgt mehrere Ziele: Durch ein verstärktes gesellschaftliches Engagement, soll zum einen die berufliche und gesellschaftliche Integration von Jugendlichen mit Fluchthintergrund in der Hansestadt Rostock gefördert werden. Gleichzeitig sollen Studierende des Lehramts für berufliche Schulen der Universität Rostock einen Überblick über die berufliche Integrationsförderung und eine spezifische Zielgruppe im Besonderen gewinnen, interkulturelle Kompetenzen entwickeln, für Problemlagen von Jugendlichen mit Flucht- und Migrationshintergrund sensibilisiert werden und biographische Fallrekonstruktion als wissenschaftliche Forschungsmethode kennenlernen sowie praktische Lösungsansätze entwickeln. Auch die jungen Menschen mit Fluchthintergrund profitieren vom Projekt: Sie knüpfen Kontakte mit gleichaltrigen jungen Menschen aus der Stadt Rostock, gewinnen zusätzliche Einblicke in das (Berufs-)Bildungssystem und erhalten eine individuelle Unterstützung im Rahmen des Ausbildungscoachings, insb. biographische Arbeit für die Berufsorientierung, Erstellung von Lebensläufen und weiteren Bewerbungsunterlagen („Serviceleistung“).

Durch das Lernkonzept „Lernen durch Engagement“ lernen die Studierenden ihrerseits praktisch, was flexible Bildungs- und Lebenswege bedeuten und mit Brüchen in Karrieren, wie beispielsweise durch eine Flucht verursacht, umzugehen. Zudem helfen sie den Menschen mit Fluchthintergrund bei der Bewältigung ihrer persönlichen Situation, sich den Herausforderungen in einem neuen Land zu stellen und ermöglichen ihnen einen altersunabhängigen Wissenserwerb bzw. lebenslanges Lernen. Durch die aktive Unterstützung der Studierenden, konnte und kann gegenwärtig schnell bzw. kurzfristig auf die individuellen Bedarfe der Geflüchteten reagiert werden. Dies gelingt ihnen auch deshalb besonders gut, da sie gemeinsam in studentischen Tandems die Potenziale der Menschen mit Fluchthintergrund erarbeiten, um sie zu motivieren und ihnen neue Lerngelegenheiten zu bieten, damit sie sich erfolgreich in die deutsche Gesellschaft und das Berufsleben integrieren können.

Das Lehrentwicklungs- und Forschungsprojekt wurde ausgehend vom Sommersemester 2017 bisher in vier Durchgängen durchgeführt und erreichte insgesamt 52 junge Menschen mit Fluchthintergrund. Durch das aufgebaute persönliche Netzwerk, liegen heute Erkenntnisse über den Erfolg der beruflichen (und gesellschaftlichen) Integration von 37 Teilnehmenden mit Fluchthintergrund vor, so haben 10 junge Menschen mit Fluchthintergrund nach der Teilnahme eine duale Ausbildung begonnen und 14 Personen direkt eine Erwerbstätigkeit aufgenommen.

Im laufenden Wintersemester 2019/2020 wird die Lehrveranstaltung für Lehramtsstudierende der Berufspädagogik zum fünften Mal angeboten.

Zum Weiterlesen: Götzl, M., Struck, P. & Biensack, C. (2019): Service-Learning in der Förderorientierten Berufspädagogik – Ein hochschuldidaktisches Lehr-Lern-Setting. In C. Kalisch & F. Kaiser (Hrsg.), Gestaltung berufspädagogischer Lehramtsstudiengänge (S. 285–302). Bielefeld: Bertelsmann

 

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