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Verhandlungsrunde geplatzt!

Qualität der Berufsausbildung in M-V in Gefahr


Das duale Berufsbildungssystem in Deutschland genießt europaweit einen guten Ruf. Ob dies künftig auch für die Berufsausbildung in Mecklenburg-Vorpommern so sein kann, ist fraglich. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW M-V) ist in großer Sorge um die Qualität der Beruflichen Schulen des Landes. Gestern ist die große Verhandlungsrunde zum Lehrerpersonalkonzept an den Beruflichen Schulen geplatzt: „Die Kolleginnen und Kollegen berichten uns von teilweise chaotischen Zuständen an ihren Schulen. So fällt beispielsweise Unterricht aus, obwohl genügend qualifiziertes Personals bereit steht. Das darf allerdings wegen falscher Prognosen aus dem Ministerium und den daraus abgeleiteten Vereinbarungen zur Teilzeit keine Mehrstunden geben“, erklärt Annett Lindner, die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft.

Mit der Vereinbarung zur Teilzeit wollte das Ministerium bei Einführung an den Beruflichen Schulen dem demografischen Wandel Rechnung tragen und soweit sozialverträglich möglich, reduzieren oder durch Teilzeit ergänzen. „Voraussetzung dafür wären aber korrekte Schätzungen zum Rückgang der Schülerzahlen“, ergänzt Annett Lindner. Darüber hinaus habe das Ministerium bis heute keine konkreten Angaben zu den finanziellen Auswirkungen der geplanten Einsparungen gemacht. „Die Teilzeit nach Lehrerpersonalkonzept funktioniert an den Beruflichen Schulen einfach nicht. Die Situation ist hier eine vollkommen andere, als zuvor an den Regelschulen. Als Gewerkschaft können wir nicht weiterhin sehenden Auges auf den Eisberg zusteuern. Es scheint, als wolle das Land hier auf Grundlage falscher Annahmen einsparen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“, Annett Lindner ist sauer.

 „Man betrügt so die Schüler, die Lehrer aber auch die Unternehmen, die dieses System mittragen. Letztere sollten doch davon ausgehen können, dass ihre Auszubildenden in den Beruflichen Schulen gut auf ihre Arbeitsaufgaben vorbereitet werden. Wir haben schon jetzt einen Fachkräftemangel und vergehen uns derart an der Berufsausbildung. Das darf nicht sein!“ 2010 hatte das Bundesarbeitsgericht die Vereinbarungen zum Lehrerpersonalkonzept an den Beruflichen Schulen mit einem Urteil in Frage gestellt. Erst müsse man die Vollzeitverträge erfüllen hieß es. Damals verständigten sich die Vereinbarungspartner darauf, das Konzept zunächst fortzusetzen und genau zu analysieren. Anfang 2012 sollte eine Neubewertung der Situation erfolgen. Bildungsminister Mathias Brodkorb hatte die Ausgabe von Teilzeitverträgen zunächst bis zum gestrigen Verhandlungstermin gestoppt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie die anderen verhandelnden Verbände sehen nun das Land in der Pflicht.




 

Die GEW M-V informiert

 

 

 bildungsstreik  lage_an_hs_m-v
   pdf flyer_lage_an_hochschulen 61,06 Kb

 

Ein Jahr Selbständige Schule - Kein Erfolgsprodukt

Wenn Bildungsminister Henry Tesch heute im Rahmen einer Pressekonferenz die Erfolge des Modells "Selbständige Schule" preist, so ist dies eine These, die die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern nicht teilen kann. "Selbständige Schule, das bedeutet für die Kolleginnen und Kollegen nicht freiere Entscheidung in der Unterrichtsplanung, sondern mehr Bürokratie sowie weniger Anrechnungsstunden und damit eine erneut höhere Arbeitsbelastung.", sagt Annett Lindner, Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft. Konkret wurde bspw. bei der Ausbildung der Referendare das Studienleitermodell abgeschafft. Eine Rechtsgrundlage für die Mentoren, die laut Bildungsministerium in Zukunft die Anleitung der Referendare mit einer nicht ausreichenden monatlichen Zusatzvergütung von 100 Euro brutto übernehmen sollen, ist noch nicht geschaffen, obwohl die angehenden Lehrerinnen und Lehrer bereits seit 1. April in den Schulen sind. Dies führe an manchen Schulen dazu, dass diese in Eigenregie die Ausbildung durchführen müssen wobei finanzielle Mittel als auch Ausstattung und akzeptable Fortbildungsmöglichkeiten fehlen. "Außerdem ist das System der Selbständigen Schule an vielen Stellen nicht abschließend durchdacht. Dies zeigt uns auch die beabsichtigte Einführung der Prämie für besondere Lehrerleistungen, die in diesem Rahmen selbständig vergeben werden soll.", so Annett Lindner weiter. Sie bezieht sich damit auf den Offenen Brief, der in der vergangenen Woche an die Abgeordneten des Landtages geschickt wurde. Darin fordert die GEW die Politik auf, dieses ungerechte System einer leistungsorientierten Bezahlung (6,25 Euro bis 42 Euro brutto im Monat) mit fehlenden objektiven Maßstäben zu verhindern und darauf hinzuwirken, dass diese sonstigen Lehrerpflichten mit einer angemessenen Anzahl von Anrechnungsstunden bedacht werden. Ebenfalls im Rahmen der Selbständigen Schule wurde von der klassenbezogenen auf die schülerbezogene Stundenzuweisung umgestellt. "Auch hier zeigt sich deutlich, wie wenig Bestand die Theorie einer selbstbestimmten Planung von Klassengrößen in der Praxis hat.", sagt Annett Lindner. Gerade Grundschulen waren hier betroffen. Drei bis fünf Unterrichtsstunden weniger kämen hier teilweise in Ansatz. Ähnliches Chaos gäbe es auch an manchen Schulen mit PmsA-Anrechnungsstunden (Personal mit Sonderpädagogischer Aufgabenstellung). "Konkrete Beispiele stellen wir hier auf Nachfrage gerne zur Verfügung.", bestätigt die Landesvorsitzende der GEW. Alles in allem sei die Selbständige Schule also kein Erfolgsprodukt, wie vielfach seitens des Ministeriums betont wird. Vielmehr würden hier Probleme, die bereits auf dieser Ebene nicht gelöst werden konnten nun auf die Schulen abgewälzt.

 

 

pdf Offener Brief an die Mitglieder der demokratischen Fraktionen des Landtags M-V 


 

M-V kann mehr - Mit Mittelmaß nicht zufrieden geben

 

Die heutige Veröffentlichung des Länderschulleistungsvergleich kommentiert die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW M-V, Annett Lindner:

"Wieder einmal belegen unsere Schülerinnen und Schüler lediglich einen mittleren Platz. Wir sind überzeugt: M-V kann mehr. Voraussetzung dafür sind aus unserer Sicht jedoch endlich eine kontinuierliche und verlässliche Bildungspolitik auch über den Verlauf einer Legislaturperiode hinaus sowie zusätzliche Investitionen in die Bildung." Offensichtlich habe man aus PISA 2000 nicht die richtigen Konsequenzen gezogen, so Annett Lindner weiter:

„Wir belasten die Lehrer und Schüler mit Tests, schreiben eine Vergleichsarbeit nach der anderen, statt in individuelle Förderung der Schüler und Qualifizierung der Pädagogen zu investieren.“ Dass der Erfolg bayerischer Schülerinnen und Schüler auf der dortigen Dreigliedrigkeit des Schulsystems beruhe, bestreitet Annett Lindner:

"Im internationalen Schulvergleich belegen die skandinavischen Länder regelmäßig Spitzenplätze. Dort hat man das, was wir für uns fordern - eine Schule für alle. Mit Angeboten für schwächere, wie für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler." Aus Sicht der GEW sei der Erfolg Bayerns vielmehr ein Zeichen dafür, wie sehr Bildung in Deutschland vom Geldbeutel abhänge. Es sei bezeichnend, dass die Länder, die finanziell gut dastehen und eine geringe Arbeitslosenquote sowie ein hohes Durchschnittsgehalt haben, bessere Leistungen bringen. Als besorgniserregend betrachtet die GEW M-V auch die Entwicklung der Lesekompetenz. "Von den viel beschworenen Programmen scheint bei den Kolleginnen und Kollegen in M-V nur wenig anzukommen. Eine Mitgliederbefragung der GEW hat ergeben, dass in unserem Bundesland über 60 Prozent der Kolleginnen und Kollegen KEIN vom Kultusministerium empfohlenes Leseförderprogramm kennen." Hier müsse eindeutig mehr getan werden. Das erwarte sie auch von einem Bildungsgipfel.

Es nutze nichts sich per Lippenbekenntnis zur Bildung zu bekennen, um sich Letztlich bei der Finanzierung nicht einig zu werden.

 

 


 
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