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Ein Jahr Selbständige Schule - Kein Erfolgsprodukt
Wenn Bildungsminister Henry Tesch heute im Rahmen einer Pressekonferenz die Erfolge des Modells "Selbständige Schule" preist, so ist dies eine These, die die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern nicht teilen kann.
"Selbständige Schule, das bedeutet für die Kolleginnen und Kollegen nicht freiere Entscheidung in der Unterrichtsplanung, sondern mehr Bürokratie sowie weniger Anrechnungsstunden und damit eine erneut höhere Arbeitsbelastung.", sagt Annett Lindner, Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft. Konkret wurde bspw. bei der Ausbildung der Referendare das Studienleitermodell abgeschafft.
Eine Rechtsgrundlage für die Mentoren, die laut Bildungsministerium in Zukunft die Anleitung der Referendare mit einer nicht ausreichenden monatlichen Zusatzvergütung von 100 Euro brutto übernehmen sollen, ist noch nicht geschaffen, obwohl die angehenden Lehrerinnen und Lehrer bereits seit 1. April in den Schulen sind. Dies führe an manchen Schulen dazu, dass diese in Eigenregie die Ausbildung durchführen müssen wobei finanzielle Mittel als auch Ausstattung und akzeptable Fortbildungsmöglichkeiten fehlen.
"Außerdem ist das System der Selbständigen Schule an vielen Stellen nicht abschließend durchdacht. Dies zeigt uns auch die beabsichtigte Einführung der Prämie für besondere Lehrerleistungen, die in diesem Rahmen selbständig vergeben werden soll.", so Annett Lindner weiter.
Sie bezieht sich damit auf den Offenen Brief, der in der vergangenen Woche an die Abgeordneten des Landtages geschickt wurde. Darin fordert die GEW die Politik auf, dieses ungerechte System einer leistungsorientierten Bezahlung (6,25 Euro bis 42 Euro brutto im Monat) mit fehlenden objektiven Maßstäben zu verhindern und darauf hinzuwirken, dass diese sonstigen Lehrerpflichten mit einer angemessenen Anzahl von Anrechnungsstunden bedacht werden. Ebenfalls im Rahmen der Selbständigen Schule wurde von der klassenbezogenen auf die schülerbezogene Stundenzuweisung umgestellt. "Auch hier zeigt sich deutlich, wie wenig Bestand die Theorie einer selbstbestimmten Planung von Klassengrößen in der Praxis hat.", sagt Annett Lindner. Gerade Grundschulen waren hier betroffen.
Drei bis fünf Unterrichtsstunden weniger kämen hier teilweise in Ansatz.
Ähnliches Chaos gäbe es auch an manchen Schulen mit PmsA-Anrechnungsstunden (Personal mit Sonderpädagogischer Aufgabenstellung). "Konkrete Beispiele stellen wir hier auf Nachfrage gerne zur Verfügung.", bestätigt die Landesvorsitzende der GEW. Alles in allem sei die Selbständige Schule also kein Erfolgsprodukt, wie vielfach seitens des Ministeriums betont wird.
Vielmehr würden hier Probleme,
die bereits auf dieser Ebene nicht gelöst werden konnten nun auf die Schulen abgewälzt.
Offener Brief an die Mitglieder der demokratischen Fraktionen des Landtags M-V
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M-V kann mehr - Mit Mittelmaß nicht zufrieden geben
Die heutige Veröffentlichung des Länderschulleistungsvergleich
kommentiert die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW M-V, Annett
Lindner:
"Wieder einmal belegen unsere Schülerinnen und
Schüler lediglich einen mittleren Platz. Wir sind überzeugt: M-V kann mehr.
Voraussetzung dafür sind aus unserer Sicht jedoch endlich eine kontinuierliche
und verlässliche Bildungspolitik auch über den Verlauf einer Legislaturperiode
hinaus sowie zusätzliche Investitionen in die Bildung." Offensichtlich
habe man aus PISA 2000 nicht die richtigen Konsequenzen gezogen, so Annett
Lindner weiter:
„Wir belasten die Lehrer und Schüler mit Tests, schreiben
eine Vergleichsarbeit nach der anderen, statt in individuelle Förderung der
Schüler und Qualifizierung der Pädagogen zu investieren.“ Dass der Erfolg
bayerischer Schülerinnen und Schüler auf der dortigen Dreigliedrigkeit des
Schulsystems beruhe, bestreitet Annett Lindner:
"Im internationalen Schulvergleich belegen die
skandinavischen Länder regelmäßig Spitzenplätze. Dort hat man das, was wir für
uns fordern - eine Schule für alle. Mit Angeboten für schwächere, wie für
leistungsstarke Schülerinnen und Schüler." Aus Sicht der GEW sei der
Erfolg Bayerns vielmehr ein Zeichen dafür, wie sehr Bildung in Deutschland vom
Geldbeutel abhänge. Es sei bezeichnend, dass die Länder, die finanziell gut
dastehen und eine geringe Arbeitslosenquote sowie ein hohes Durchschnittsgehalt
haben, bessere Leistungen bringen. Als besorgniserregend betrachtet die GEW M-V
auch die Entwicklung der Lesekompetenz. "Von den viel beschworenen
Programmen scheint bei den Kolleginnen und Kollegen in M-V nur wenig
anzukommen. Eine Mitgliederbefragung der GEW hat ergeben, dass in unserem
Bundesland über 60 Prozent der Kolleginnen und Kollegen KEIN vom
Kultusministerium empfohlenes Leseförderprogramm kennen." Hier müsse
eindeutig mehr getan werden. Das erwarte sie auch von einem Bildungsgipfel.
Es nutze nichts sich per Lippenbekenntnis zur Bildung zu
bekennen, um sich Letztlich bei der Finanzierung nicht einig zu werden.
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Mit einem Festakt beging die Landesdelegiertenversammlung
der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern heute in
Rostock in Anwesenheit vieler Gäste,
darunter Vizepräsident des Landtages, Andreas Bluhm, Staatssekretär im
Bildungsministerium Udo Michallik, Ulrich Thöne, Bundesvorsitzender der GEW und
Uwe Polkaehn, Vorsitzender DGB Nord, das 20jährige Jubiläum der
Bildungsgewerkschaft. In ihrem Grußwort
machte Annett Lindner, Landesvorsitzende der GEW, deutlich, dass man sich auch
weiterhin in die Entwicklung der Bildungspolitik im Land einbringen werde.
„Die unterscheidet uns von anderen Gewerkschaften und ist
eine der größten Herausforderungen für unsere Arbeit. Denn da, wo
Bildungsarbeit geleistet wird, gehört es zur Interessenvertretung der
Kolleginnen und Kollegen dazu, sich an der Erarbeitung der politischen
Rahmenbedingungen zu beteiligen und auch einmal den Finger auf die Wunde zu
legen.“. Neben den politischen Aussagen, bspw. den Willen zu einer Schule für
alle sowie besseren Arbeitsbedingungen und Vergütungsregeln, nutzte Annett Lindner die Gelegenheit den
vielen Ehrenamtlichen für ihr langjähriges Engagement zu danken. Die
Neugewinnung von Mitgliedern sei auch in Zukunft eine wichtige Aufgabe. Während
bundesweit viele tausend Menschen wegen der Sparpläne der Bundesregierung auf
die Straße gingen, bestärkte auch Annett Lindner, dass Sparmaßnahmen, die
einseitig zu Lasten der Schwächsten in der Gesellschaft gingen nicht
hinzunehmen seien. Es könne nicht sein, dass der Staat noch im vergangenen Jahr
Milliarden in die Abwrackprämie investiere, während nun Empfängern von SGB
II-Leistungen das Elterngeld gestrichen werden soll. Andreas Bluhm, der
Vizepräsident des Landtages, überbrachte
die Glückwünsche des Parlaments verbunden mit den Worten, dass es sich bei
der GEW M-V um einen „wichtigen Kontrolleur der Bildungspolitik“ handle, auf
den man „nicht verzichten könne und auch nicht wolle“. Seit gestern tagt die
Landesdelegiertenversammlung der Bildungsgewerkschaft. Sie fasste unter anderem
Beschlüsse zur Personalentwicklung in den Bildungseinrichtungen. Annet Lindner
wurde mit großer Mehrheit in ihrem Amt als Landesvorsitzende bestätigt.
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