Service

Flucht und Asyl

Foto GEW
(Foto: GEW)

Aktuelle Informationen auf unserer Bundesseite hier!

Innerhalb der GEW erarbeitet der Bundesausschuss für Migration, Diversity und Antidiskriminierung (BAMA) gewerkschaftliche Positionen im Spannungsfeld von Bildung und Migration. Der BAMA hat es sich sich zur Aufgabe gemacht, entsprechende Themen innerhalb der GEW zu diskutieren, Impulse zu geben und die Entwicklung von neuen Konzepten voranzutreiben. Im Landesverband Mecklenburg-Vorpommern heißt dieser Ausschuss LAMID und wird von Kerstin Grundmann geleitet. Ein aktuelles Interview mit Kerstin Grundmann zum Thema "Interkulturelle Bildung" findet Ihr hier.

Die Zahl jener Menschen, die Zuflucht vor Krieg, Elend und Vertreibung suchen, steigt rasant an. Mit ihr wächst auch die Teilhabe von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern am öffentlichen Leben. Diese Entwicklung wird auch an den Schulen in Land deutlich.
 

Aus dem Beschluss des Landesvorstandes am 12. September 2015: Der Landesvorstand der GEW Mecklenburg-Vorpommern steht für einen diskriminierungsfreien Umgang mit Geflüchteten. Deutschland darf sich seiner Verantwortung nicht entziehen, den Menschen Schutz und Unterhalt zu bieten, die aus Not ihr Land verlassen, um hierher zu kommen. Daher begrüßen wir die Aktivitäten aller Bildungseinrichtungen, die Flüchtlinge unterstützten, indem sie Kontakt zu Flüchtlingen aufnehmen, Kinder und Jugendliche in das Schulleben einbeziehen und sich an politischen Solidaritätsaktionen beteiligen. Die Mehrzahl der Flüchtlingskinder hat eine lange, mit vielen Hindernissen verbundene Reise hinter sich. Fluchterlebnisse, beengte Wohnverhältnisse, überforderte Eltern und eine unsichere Perspektive kennzeichnen häufig ihre Situation. Die Kinder und Jugendliche sind häufig traumatisiert und brauchen individuelle und professionelle Hilfe. Der Landesvorstand der GEW begrüßt die bereits von der Landesregierung umgesetzten Maßnahmen zur Verbesserung der Lage der Flüchtlinge. Die Bildungseinrichtungen müssen aber darüber hinaus mit weiteren Ressourcen ausgestattet werden, um das Menschenrecht auf Bildung für Kinder und Jugendliche und Erwachsene, die fliehen mussten, adäquat sichern zu können.

Gilt für minderjährige Asylbewerber die Schulpflicht?

Grundsätzlich lautet die Antwort: ja!  Gemäß Paragraph 41 Abs. 1 des Schulgesetzes Mecklenburg-Vorpommern unterliegen Kinder im schulpflichtigen Alter, die ihren "gewöhnlichen Aufenthalt" im Bundesland haben, der Schulfplicht. Auch, wenn häufig davon ausgegangen wird, dass es sich bei Asylsuchenden nicht um einen "gewöhnlichen Aufenthalt" handelt, da dieser seiner Natur nach eigentlich vorübergehend ist, gilt diese Annahme im Zusammenhang mit der Schulfplicht in MV nicht. Näheres regelt die zugehörige Verwaltungsvorschrift.

Während im Schuljahr 2013/14 noch 576 Schülerinnen und Schüler an einer allgemein bildenden Schule aufgenommen wurden, deren Verkehrssprache nicht Deutsch ist – die also über eine andere Herkunftssprache verfügen - waren es zu Beginn des Jahres 2014/2015 schon 744. Dies ergibt die Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Simone Oldenburg (Die Linke) aus dem Februar dieses Jahres. 2007 Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache haben zu diesem Zeitpunkt eine Förderung erhalten. Im Oktober 2015 waren nach Angaben des Ministeriums 4.000 Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache an den allgemeinbildenden und Beruflichen Schulen.
 

Für Schülerinnen und Schüler an allgemein bildenden Schulen, die sich nicht elementar verständigen können, beginnt die Sprachförderung mit einem Intensivkurs. In der Grundschule umfasst dieser Intensivkurs 10 Wochenstunden (Verwaltungsvorschrift „Bestimmungen zur Eingliederung und zum Schulbesuch von Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache in Schulen Mecklenburg-Vorpommerns“ ). In der Sekundarstufe hat er einen Umfang von 20 Wochenstunden. Derzeit sind es insgesamt 153 Lerngruppen an 125 Standorten (Stand: November 2015). Kinder und Jugendliche, die bereits Kenntnisse der deutschen Sprache haben, erhalten eine begleitende Förderung in Form von Förderstunden.

An den beruflichen Schulen besuchen Schülerinnen und Schüler, die sich nicht elementar verständigen können, eine extra für sie eingerichtete Berufsvorbereitungsklasse. Derzeit gibt es 17 Berufsvorbereitungsklassen an 10 Schulstandorten (Stand: November 2015). Im ersten Jahr erhalten die Schülerinnen und Schüler einen Deutsch-Intensivkurs und Orientierungsunterricht als vollzeitschulische Ausbildung. Im zweiten Jahr stehen die Vorbereitung auf eine Berufsausbildung und das Erlangen der Berufsreife im Vordergrund. Die Berufsvorbereitungsklasse ist durchlässig. Das heißt, jederzeit ist ein Wechsel an andere Schularten und Bildungsgänge möglich, wenn die Schülerinnen und Schüler die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen.

Das Land stellt 100 zusätzliche Stellen für Lehrkräfte mit dem Fach "Deutsch als Zweitsprache" (DaZ) bereit. Auch Quereinsteiger sind gefragt. Zu den Stellenausschreibungen geht es hier entlang.

Darüber hinaus erfolgt eine integrative Sprachbildung in allen Lernbereichen im Regelunterricht. Außerdem sind die Ganztagsschulen im Land verpflichtet, für Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache Fördermaßnahmen anzubieten.

Die Zahlen machen deutlich, vor welchen Herausforderungen alle stehen: Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern, genauso wie die Kolleginnen und Kollegen in den Schulen. Für Eltern stellt das Ministerium eine Broschüre mit ausführlichen Informationen zum Schulsystem, Abläufen des Schulalltags bis hin zu Checklisten bereit. Die Inhalte wurden in Zusammenarbeit mit der RAA M-V e.V. zusammengestellt. Auch Ansprechpartner sind dort benannt. Kontakte, die auch für Rat- und Hilfe suchende Kolleginnen und Kollegen von Nutzen sein können.


(Diese Kinderzeichnung erhielten Bundespolizisten in Passau und posteten sie über Facebook. Sie zeigt die Hoffnung der Flüchtlingskinder auf ein friedliches Leben in Deutschland.)

 

Derzeit werden über das IQ M-V in Kooperation mit der Fachberatungsstelle „DaZ“ bei der RAA M-V e.V. 80 Lehrerinnen und Lehrer in zwei 70-stündigen Kursen qualifiziert. Weitere Formate der Lehrerqualifizierung sind in der Planung. Ab Februar 2016 sollen zum Beispiel Lehrkräfte der beruflichen Schulen zu DaZ-Lehrkräften über das Kompetenzzentrum Berufliche Bildung des IQ M-V fortgebildet werden.

Weitere Hintergründe:

Pressemeldung der GEW MV vom 5. Oktober anlässlich des Weltlehrertages
Bildung und Betreuung von Flüchtlingskindern in Kindertagesstätten realisieren - Forderungen der GEW MV
100.000 Euro für Willkommensprojekte an den Schulen von der Ehrenamtsstiftung MV.